Wissenschaftspreis 2005:
Alexandra Strohmaier
- Titel der Arbeit: "Logos, Leib und Tod. Studien zur Prosa Friedrike Mayröckers"
- Begründung der Jury: Diese von Lacan und Derrida beeinflusste Art der Mayröcker-Forschung ist nicht neu (paradigmatisch ist die frühe Dissertation von Daniela Riess-Beger), ich muss allerdings sagen, dass Frau Strohmaier auf diesem Gebiet so weit gekommen ist, wie noch keine Interpretin vorher, d.h. dass hier also unter Zuhilfenahme dekonstruktiver Theorie an den Texten Mayröckers tatsächlich etwas akzentuiert wurde, das ich vorher noch nie so präzise gelesen habe (beispielsweise die Funktion männlicher Figuren im Text, oder die spezifische Beschreibung der zum Einsatz gebrachten weiblichen Diskursformen). Mit einem Wort: Frau Strohmaier hat über Lacan etc. nicht auf Mayröcker vergessen, und ihre Arbeit vermittelt den Eindruck, dass sie die Theorie gleichermaßen wie die Literatur verstanden hat. Glänzend ist die Arbeit in jedem Fall: brillant formuliert, niemals verwaschen und gespickt mit mehr als der nur nötigen Sekundärliteratur, also rundum: preiswürdig.
- Kurzbiografie: Alexandra Strohmaier studierte Germanistik sowie Anglistik und Amerikanistik in Graz, Oxford/England und den USA. Promotion 2004, seit 2003 Lehrbeauftragte für Neuere deutsche Literatur am Institut für Germanistik sowie Lehrbeauftragte im Rahmen der interfakultären Lehre zur Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Graz. Seit Jänner 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Rahmen des Forschungsprojekts Literatur und/als Ethnographie.
Anerkennungspreis 2005:
Robert Leucht
- Titel der Arbeit: "Experiment und Erinnerung. Der Schriftsteller Walter Abish"
- Begründung der Jury: Die Arbeit ist preiswürdig, weil sie sowohl inhaltlich wie auch methodisch in vielen bereichen 'Neuland' erschließt. Es geht um Fragen der 'Exilliteratur' der 'zweiten' Generation (Abish war sieben Jahre alt, als er mit seinen Eltern aus Wien emigrierte), um das Problem von Authentizität und Experiment in der Holocaust-Literatur und um Fragen und Probleme des Autobiographischen, vor allem auch in der Konfrontation 'realistischer' und 'experimenteller' Schreibweisen. Es ist die erste Monographie über Abish, die Rezeption, sowohl in den englischsprachigen wie auch in den deutschsprachigen Ländern ist vollständig dokumentiert. Dazu kommen umfangreiche thematische Vergleiche (mit R. Klüger, Chr. J. Lind , J. Amery, Aharon, Appelfeld, E. Fried, E. Jelinek, P. Weiss und Chr. Ransmayr) und die Darstellung intertextueller Bezüge zu F. Kafka und Th. Bernhard. Die Arbeit legt bewusst keine national-philologische Perspektive an, da, so der Autor, nur auf diese Weise das "Schreiben zwischen den Sprachen" jener 'zweiten' Generation von Exilschriftstellern verstanden werden könne, die als Kinder aus ihrem deutschsprachigen Umfeld vertrieben wurden und die die Sprache des Exillandes zu ihrer Literatursprache gemacht haben. Das ist auch unter kulturwissenschaftlichen Gesichtspunkten ein fruchtbarer Ansatz.
- Kurzbiografie: Geboren 1975 in Wien, 1993 bis 1999 Studium der Germanistik, Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Publizistik an der Universität Wien. 2000 bis 2005 Dissertation über den Schriftsteller Walter Abish. Im akademischen Jahr 2002/2003 German Language Teaching Assistent an der University of Oklahoma. Seit 2004 Universitätsassistent am Deutschen Seminar der Universität Zürich bei Professor Karl Wagner.
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