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Die Österreichische Gesellschaft für Germanistik
trauert um Wendelin Schmidt-Dengler. Die österreichische Germanistik
verliert mit ihm einen brillanten und geistreichen Wissenschaftler,
der mit seiner Leidenschaft für die Literatur und für das Lesen als
Erkenntnisgewinn Studierende sowie Kolleginnen und Kollegen
gleichermaßen begeisterte. Die österreichische Literatur verliert
einen großen Kritiker und selbstlosen Vermittler auf vielen
Schauplätzen des Literaturbetriebs. Genauso fehlen wird uns seine
ironische Schärfe, mit der er ruinöse Entwicklungen in der Bildungs-
und Wissenschaftspolitik brandmarkte.
Wendelin Schmidt-Dengler war von 1992-1996 der erste
Präsident der ÖGG und hat damit das Fundament dafür gelegt, dass
wir als Gesellschaft doch ein gewisses Renommee uns erworben haben
und manchmal auch auf die Pauke des Faches hauen – wie er in
seinem letzten Schreiben an den Vorstand bemerkte. Ein kursorischer
Rückblick auf diese Jahre, wie sie sich im Stimulus spiegeln,
zeigt, wie sehr er damit für Impulse verantwortlich war, die die
Ziele der Gesellschaft noch heute bestimmen. Die Tagungen waren
geprägt vom Bemühen, das Fach Germanistik in seiner Vielfalt zu
präsentieren und damit auch scheinbar Randständiges genauso wenig zu
vernachlässigen wie neue Impulse für das Fach. Von Beginn an war ihm
aber auch die Situation der Lektoren, also die Auslandskulturarbeit
und Deutsch als Fremdsprache ein wichtiges Anliegen. Sehr früh wurde
die ÖGG zur Plattform, um die prekäre Situation von
Projektmitarbeiterinnen und –mitarbeitern zu artikulieren, und
genauso war ihm von Beginn an der Deutschunterricht wichtig, für den
er sich als hoch geschätzter Fortbildner einsetzte. Er unterstützte
die Bemühungen, die Fachdidaktik an den Universitäten zu verbessern,
wie er sich überhaupt für Fragen des Studiums und der Studienpläne
engagierte.
Ein ebenso wichtiges Anliegen war ihm der Blick über die
Grenzen. Davon zeugt nicht nur der hohe Anteil an Mitgliedern im
europäischen und außereuropäischen Ausland, die Vermeidung der
Nabelschau hatte auch eine Reihe von Tagungen im benachbarten
Ausland zur Folge.
Wie sehr ihm der wissenschaftliche Nachwuchs am Herzen lag,
zeigt seine Initiative und großzügige Unterstützung für den
Wissenschaftspreis der ÖGG, mit dem herausragende Dissertationen
ausgezeichnet werden.
Wir verlieren durch seinen Tod einen vorbildlichen Lehrer
und Wissenschaftler, Förderer und Kollegen, vor allem aber einen
aufrechten und offenen Menschen, dessen Witz und Ironie uns sehr
fehlen werden.
Im
Namen des Vorstands
Wolfgang
Hackl Präsident |